Tirpitz in Blåvand

Was wisst ihr über die Rolle Dänemarks im zweiten Weltkrieg? Meine persönliche Antwort bis gestern war: nichts! Ich könnte jetzt anführen, dass ich im Geschichtsubterricht ein ziemlicher Versager war. Das liegt aber auch daran, dass wir immer nur Polyluxbilder abgeschrieben haben. Ich bin mir allerdings auch ziemlich sicher, dass da keins über irgendwelche skandinavischen Verwicklungen dabei war. Dass Vorpommern mal den Schweden gehörte wurde ja auch (wenn überhaupt) super kurz angeschnitten (ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern). Und das in Greifswald…

In Blåvand an der dänischen Westküste gibt es “Tirpitz”, ein Museum, das sich architektonisch wirklich sehen lassen kann und darüber hinaus einen Bunker integriert. Ich habe mein Wissen also ein wenig aufgebessert. Es ist nämlich so, dass unter Aufsicht der Deutschen entlang der dänischen Küste (von Dänen) eine Vielzahl an Bunkern hochgezogen wurde. Der Antlantikwall. Macht letztlich mit der Lage hier auch irgendwie Sinn.

Tirpitz (der Name der Militärstation und jetzt des Museums) behandelt also zum einen die Geschichte der Westküste. Von kleinen Fischerdörfern über Schmugglerbuchten und Sturmfluten. Das alles ist hübsch aufbereitet und halbstündig gibt es 4d Kino und Mammuts laufen direkt an dir vorbei. Dann gibt es einen ganzen Ausstellungsteil über Einzelschicksale an den dänischen Militärbasen. Und zwar nicht so einseitig á la “die Deutschen sind an allem Schuld”, sondern eben auch in Hinblick darauf, dass für die Dänen natürlich gutes Geld zu verdienen war. Und so wird die Geschichte von 6 Dänen und Deutschen in Blåvand vor 1945 erzählt. Die verschiedenen Bunker wurden als eine Art Ikea-Bausatz beschrieben, der es ermöglichte, schnell viele Bunker zu bauen. Die in Dänemark stationierten Deutschen hatten ein vergleichsweise einfaches Leben, welches sie teils als langweilig empfanden – als sie später hörten was anderswo los war, waren sie umso dankbarer. An den Küsten sieht man heute immernoch viele Bunker, die oft versackt sind, weil ohne Fundament direkt in den Sand gebaut wurde. Vor Hirtshals haben wir dann auch noch einen im Wasser gefunden. Der Bunker in Blåvand hatte die Besonderheit, dass er mit einer Kanone, die eigentlich für ein Schiff bestimmt war ausgestattet werden sollte. Dem war auch die Bauweise angepasst. Die Kanone kam jedoch nie an, weil auf dem Weg von Deutschland nach Dänemark eine Brücke verstärkt werden musste, da die Kanone zu schwer war. Bevor das geschah war allerdings der Krieg zu Ende.

Beeindruckend war auch die Aufbereitung im Museum. Es gab viel zum Anfassen, Beschriftung waren gering gehalten, dafür erhielt jeder einen Audioguide und man konnte sich so alles anhören. Ab und zu war es vielleicht etwas viel, aber immer spannend und abwechslungsreich erzählt. Der Besucherstrom war auch riesig und so waren wir froh relativ früh da gewesen zu sein. Besonders um die Mittagszeit stand eine Riesenschlange in der Sonne.

Natürlich waren einzelne Geschichten sehr bedrückend, aber trotzdem können wir das Museum jedem, der mal in der Nähe von Blåvand ist empfehlen! Und sei es nur um einen Vergleich zu den oft eingestaubten deutschen Museen zu ziehen…



4 thoughts on “Tirpitz in Blåvand”

  • Das ist ja ein höchst interressanter Geschichtsunterricht, den ihr uns da vermittelt. Natürlich haben auch wir im Geschichtsunterricht/-studium wenig über die Vasallentätigkeit in den von Deutschland besetzten Gebieten erfahren und dementsprechend auch selbst wenig dazu vermittelt. Die technischen “Wunderleistungen” ( der Westwall / Atlantikwall wurde entlang der gesamten Westküste von Frankreich bis zum hohen Norden errichtet) konnten nur durch brutalste Ausbeutung der unterworfenen Länder erbracht werden.
    Der Name Tirpitz geht sicherlich zurück auf den deutschen Großadmiral Alfred von Tirpitz ( U-Boot-Krieg im
    1. Weltkrieg). Das wäre doch sehr bezeichnend für das heutige Dänemark.
    Es ist schön zu erfahren, dass ihr einen aktiven Urlaub verbringt – weiter so und her mit weiteren Informationen!
    Liebe Grüße und auch beste Erholung!

    • Danke für eure Gedanken dazu. Und an dieser Stelle verspreche ich auch einen Sekt für den 99. Kommentar – weil ich glaube, dass ihr auch die fleißigsten Kommentatoren seid. Liebe Grüße!

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