Ein Tag in Moskau, oder: Wie ich das Land verließ, um nicht zu arbeiten

Manchmal kann man gar nicht so schnell gucken, wie die Zeit vergeht – oder in diesem Fall nicht so schnell schreiben. Und so ist der letzte Beitrag hier ist schon wieder drei Monate her. Allerdings ist es auch begrenzt spannend, was in Berlin jeden Tag so passiert: der Bus ist voll, die U-Bahn stinkt und neulich sind wir zum Döner spaziert. Seht ihr, dass will ja niemand wissen. Aber keine Angst, heute soll es um einen Stadtspaziergang der anderen Art gehen. Denn auch wenn ich (ich ist immer Anja, das haben sicherlich schon alle gemerkt, oder?) gerade ohne Basti unterwegs bin, dachte ich, ich könnte wenigstens euch ein Stück mitnehmen.

Wer sich in letzter Zeit mit mir unterhalten hat, weiß dass ich gerade Anträge/ Bewerbungen für Stipendien schreibe und relativ viel zu tun habe. In den letzten Jahren habe ich aber gelernt, mich von solchen Phasen nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. So habe ich in der Endphase meiner Bachelorarbeit erstmal zwei Wochen Familienurlaub gemacht und das Ergebnis war trotzdem gut. Im Klartext heißt das, dass ich mich vier Tage vor Abgabefrist zu meiner Mama in den Flieger gesetzt habe und nach Moskau gestartet bin. (Keine Sorge – fertig und abgegeben ist trotzdem alles! Und wie oft hat man schon die Chance…?)

Lange Rede kurzer Sinn, hier kommt die Zusammenfassung vom ersten halben Tag in Russlands Hauptstadt:

Nachdem wir unsere Sachen im Gästehaus der Uni abgestellt haben sind wir in die Stadt gedüst. Bei fast sommerlichen 18°C schlenderten wir durch die Kitai-Gorod (die “chinesische Stadt”) und durch den 2017 eröffneten Zaryadye Park. Neben einer “schwimmenden Brücke” mit Aussicht über die Moskwa gibt es hier ein Amphiteater und begrünte Hügel mit netten Wegen. Auf der Brücke tummelt sich außerdem eine ganze ambitionierte Selfiegeneration und so sieht man alle zwei Meter rausgeputzte Mädels die Haare aufplüschen (ihr wisst schon, wenn sie so mit einer Hand die Haare hoch…plüschen eben) und den Schmollmund in die eigene oder eine andere Handykamera drehen.

Danach haben wir einen Abstecher zum Roten Platz gemacht. Fun Fact am Rande: Der Name kommt nicht von den roten Häusern  am Rande des Platzes und hat auch nichts mit anderen roten Dingen zu tun, sondern leitet sich vom alten russischen Wort für “schön” ab. Es ist also ein schöner Platz. Von dort sind wir ins 1893 als Warenhaus eröffnete GUM. Der Online-Reiseführer sagt: Nach wechselhafter Geschichte findet man dort heute wieder alles von Edelkosmetik bis Golduhren. Ähm…ja. Das beschreibt die Spannweite des Angebots recht gut, auch wenn “alles” hier etwas hoch gegriffen scheint. Wer gerne im höchstpreisigen Segment einkauft ist hier richtig. Ansonsten gibt es eine Caviar Bar, rausgeputzte Kellner in schicken Cafés und auf historischen Eisfahrrädern.  Und die Stolovaja 57, eine Retro-Kantine, in der wir dinierten.  Ein gewisser Hang zum Kitsch lässt sich beim Blick ins gesamte GUM nicht verleugnen und falls man noch eine Bestätigung sucht folgt diese draußen, wo sowohl GUM als auch die ganze Straße mit Lichterketten beleuchtet werden und LED-Ballons an kaufwillige Touristen.. nun ja.. verkauft werden. (Da fällt mir ein, dass ich neulich einen Vortrag über den Verlust der Nacht und Auswirkungen von Stadtbeleuchtung auf die Tiere und Pflanzen gehört habe. Dazu erzähl ich euch bei Gelegenheit vielleicht auch noch mal was… )

Und nach einer langen Einleitung folgt nun ein kurzer Schluss, denn nach langer Abstinenz will ich euch auch nicht zu viel Text zumuten: Dann sind wir schlafen gegangen, um fit für den nächsten Tag zu sein.

 



4 thoughts on “Ein Tag in Moskau, oder: Wie ich das Land verließ, um nicht zu arbeiten”

  • Hast ja sooo Recht!! Natürlich wollten wir gar keinen Druck machen und stellen auch keine Ansprüche, freuen uns einfach nur über dich.

  • Hallöchen,

    wir sind begeistert … haben Deine Zeilen gerade “gefressen” … wieder als Einschlaflektüre … wie damals … das ist soooooo schön!

    Wir freuen uns auf mehr!

    Ganz liebe Grüße und Gute Nacht von
    Nora, Karen & Rona (Pini hat vorgelesen :-)))))

  • Herzlichen Glüchwunsch zu dieser wunderschönen Reisebeschreibung! Das klingt schon recht professionell, es könnte ein zweites Standbein werden. Deshalb weiter so, toi, toi, toi! Wir sind gespannt.

    • Wäre schön, wenn erstmal ein Bein stünde. Ohne Druck und den Anspruch an Professionalität macht mir das hier auch ehrlich gesagt mehr Spaß… 😉

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