Ein Tag in Moskau, oder: Wie ich sehr viele Schritte lief

Heute ist schon Freitag und nachdem ich gestern viel allein unterwegs war starten wir heute wieder gemeinsam in den Tag. Und zwar fahren wir zunächst mal mit der Tram vor unserem Haus los. Da steht nämlich dran, dass die Endhaltestelle die Metrostation an der Universität ist und da wollen wir hin. Also zum Hauptgebäude der Uni, nicht zur Metrostation. Als die Tram endlich kam, war sie brechend voll. Bemerkenswert geduldig schoben sich die Wartenden hinein, bis keine Fliege mehr Platz gehabt hätte. Wir warteten also weitere zwei Minuten auf die nächste und stellten dann auch fest, wieso das vorher so lange gedauert hatte: Vorne müssen alle mit ihrem Ticket durch ein Drehkreuz. Insgesamt ist schwarzfahren in Moskau fast unmöglich, denn auch in der Metro muss ja jeder sein Ticket an die Schranke halten, um in die Bahn zu kommen.

Eine kurze Tramfahrt später kamen wir dann am Unigelände an. Schon von weitem kann man das riesige Hauptgebäude der Lomonossow-Universität sehen. Es ist eins von sieben über die Stadt verteilten, im Auftrag Stalins im “stalinistischen Zuckerbäckerstil” erbauten Hochhäusern und wirklich bemerkenswert. Neben Verwaltung und Hörsälen etc. sind hier auch Wohnheimzimmer untergebracht. Hineinkommen war für uns allerdings nicht möglich, denn auch hier herrschen strenge Einlasskontrollen und draußen hängt ein Schild, dass es auch für angemeldete Gruppen keine Führungen gibt.

Wir sind dann einmal herum und hinter der Uni auf einen Aussichtspunkt gelaufen. Hier von den Spatzenbergen aus, konnte man ziemlich weit gucken und so weit man gucken konnte ging auch die Stadt. Irgendwo müssen 12 Millionen Menschen hier ja auch unterkommen… Auf dem Foto seht ihr hinter mir die neugebaute Moscow-City. Dort sollte es später noch hingehen.

Aber erstmal gab es Mittag bei My-My (Mu-Mu). Und dann sind wir nochmal ins Kinderkaufhaus gegangen, denn dort gibt es ganz oben auch eine Aussichtsterasse. Im Kaufhaus selbst gibt es alle möglichen Läden mit Sachen nur für Kinder. Klamotten, Spielzeug und weiß der Geier was noch. Unten in der Halle kann man mit Elektroautos rumdüsen und oben ist ein Kino drin. Ganz witzig eigentlich und ziemlich riesig. Danach hieß es für meine Mama: UNI. Und so machte ich mich nochmal allein auf den Weg. Erstmal habe ich mich auf die Suche nach neuen Leggings gemacht, denn die, die ich anhatte hatte eine fies scheuernde Naht. Blöderweise konnte ich aber keine Finden. Dafür fand ich eine nette Gasse, wo ich eine halbe Stunde in der Sonne saß und dem Glockenspiel zuhörte. Das macht doch so einen Urlaub auch aus, oder? Das man sich mal bewusst Zeit für so schöne Dinge nehmen und einfach nur da sitzen kann. Ich hab mir dann noch einen Kaffee geholt und sogar einen kleinen Plausch mit dem Verkäufer gehalten (auf Englisch!).

Später ging es für uns, wie schon angekündigt,  in die Moscow-City. Im Internet stand, dass man hier in einem der Wolkenkratzer auf eine Aussichtsplattform fahren kann. Irgendwie war heute Tag der Aussicht – hatten wir so gar nicht geplant.  Aber irgendwie dann auch wieder nicht, denn wir konnten das Haus nicht finden. Wir liefen also ewig durch eine unterirdische Einkaufspassage den Hinweisschildern zum gesuchten Haus folgend. Dort angekommen war irgendwie alles noch nicht so ganz bezogen. Der Sicherheitsbeamte am Übergang vom Kaufhaus hatte seinen ersten Tag und wusste von gar nichts. Auch drinnen konnte uns keiner weiter helfen. Eine Aussichtsplattform schien es hier nicht zu geben. Dann wollten wir zu einer verglasten Brücke, die hier sein sollte. Gleiches Spiel, andere Richtung: den ganzen Weg zurück. Mit platten Füßen und scheuernder Hose – um das kurz nochmal in Erinnerung zu rufen. Die Brücke war ausgeschildert, wir verließen den Schildern folgend das Kaufhaus in die andere Richtung. Wieder einen Wachmann gefragt. Wieder nichts gefunden. Noch ein bisschen hin- und hergeguckt, aber es war keine Brücke zu sehen und auch keine weiteren Schilder. Bevor wir dann noch weiter gesucht haben, verließen wir diesen merkwürdigen Ort mit der Metro in Richtung Gorky-Park.

Im Gorky-Park war am Freitagabend und bei schönem Wetter ordentlich was los. Jung und alt spazierte, flanierten und skateten durch die Gegend. Zu guter Letzt fanden wir hier auch noch eine Brücke, von der wir auf die Moskwa und die Stadt schauen konnten und das sogar bei schönstem Sonnenuntergangslicht. Am Fuße der Brücke fand gerade ein Tanzkurs statt, bei dem etwa 10 Leute Märchenfilm-Paartanz mit durchwechseln und Bögen bilden übten. Sehr schön anzusehen alles. Auch wenn wir uns den Ausflug in die Moscow-City hätten sparen können, war es doch ein aufregender Tag und am Ende hatte ich insgesamt 35.199 Schritte auf dem Tacho. Das war FAST Rekord, mehr hatte ich nur am Sonntag beim Highfield-Festival 2016 (35.911 Schritte, inkl. Sprünge vermutlich).



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