Ein Tag in Moskau, oder: Wie wir versehentlich beim toten Lenin landeten

Der erste touristische Tag ist immer etwas schwierig. Man möchte schließlich ein guter Tourist sein, und die wichtigsten Sachen sehen. Für uns hieß das: Roter Platz. Kreml. Aber heute so richtig. Das Problem war nur zunächst, dass wir nicht so richtig wussten, wo es rein geht. Wir haben uns dann quasi an die erste Schlange gestellt, die wir finden konnten. Wir mussten dann auch direkt durch den ersten Sicherheitscheck, durften aber problemlos passieren. Dann liefen wir erstmal die Kremlmauer entlang. Den Kreml umfassen insgesamt etwa 2,2 km Mauern mit einer Höhe von 5 bis 19 m bei einer Dicke von bis zu 6,5 m, gespickt mit 20 Wachtürmen – nur damit ihr ungefähr eine Vorstellung von den Dimensionen habt. Wir laufen also die Mauer lang und uns kommt der Verdacht, dass wir nicht in der Schlange ins Kreml-Innere standen, sondern auf dem Weg zum Lenin-Mausoleum sind. Nun gut. Halb im Scherz hatten wir immer gesagt, dass wir den toten Lenin angucken…. So schnell kann’s gehen.

Zum Hintergrund: (ich fasse hier wikipedia für euch zusammen, damit ihr nicht selbst suchen müsst) Nachdem Revolutionsführer Lenin 1924 starb, ließ Stalin gegen dessen eigentlichen Willen ein Mausoleum an der Kreml-Mauer errichten, in dem der einbalsamierte Lenin ausgestellt wurde. Das ganze entwickelte sich zu einer Art Wallfahrtsort.  Die erfolgreiche Einbalsamierung war jedoch ein Irrglaube und so kümmerte sich zu Sowjetzeiten ein Team aus Wissenschaftlern regelmäßig  um die sterblichen Überreste. Angeblich sollte ein System aus Schnitten in der Haut zur gleichmäßigen Durchtränkung mit balsamierenden Stoffen führen – das hat so wohl nicht ganz funktioniert. Heute sieht er aus wie eine Wachsfigur. Also wer weiß, wieviel noch echt ist. Sicher ist nur, dass das Gehirn bereits entfernt wurde.

Viel interessanter ist jedoch alles, was rundrum passiert. Vor dem Mausoleum direkt darf man nicht stehen bleiben, natürlich dürfen keine Fotos gemacht werden, du darfst die Hände nicht in den Taschen haben und zu reden hast du hier auch nicht! Falls du irgendeine Regel missachtest bekommst du im wahrsten Sinne des Wortes einen Anpfiff des Wachpersonals, denn alle sind mit Pfeifen ausgestattet (und wer weiß womit noch).

Als wir wieder draußen waren haben wir dann doch den Kreml-Eingang gefunden. Zuerst sind wir ein bisschen durch den Garten flaniert und dann haben wir Tickets für die Rüstkammer gekauft. Bis zum nächsten Einlass blieben uns noch 2,5 Stunden und so war erstmal Mittagszeit. Mittag gab es für uns im „My-My“ (Mu-Mu). Das ist keine Milchbar, sondern wieder eine Art Kantine / Fast-Foodkette / Self-Service Restaurant, ohne Burger und Pommes, dafür mit traditionell russischen Speisen. Halloooo Borschtsch und Piroggen!

Danach waren wir in allen Kirchen auf dem Kremlgelände, die unser Eintritt beinhaltete und in der Rüstkammer, wo alle möglichen Staatsschätze und alte Gewänder aufbewahrt werden. Falls euch jemals jemand (aus welchen Gründen auch immer) fragen sollte, wer oder was ein/e Lampas ist – hier könnt ihr es sehen! (es handelt sich um ein schweres Damastgewebe, nur damit ihr die Antwort dann auch parat habt)

 

 

Und weil wir dann noch nicht genug Schritte auf der Uhr hatten sind wir den Arbat lang gelaufen. Früher mal die erste Fußgängerzone Moskaus, heute die Tourihölle schlechthin. Es gibt lediglich und ausschließlich Souvenirläden der schlimmsten Sorte und Restaurants. Wir haben letzten Endes gut gegessen, das will ich gar nicht sagen – aber die Straße ist an Tourikitsch nicht zu überbieten. Man darf bloß nicht zu lange stehen bleiben, sonst wird man direkt in den nächsten Laden gezerrt und vermutlich nicht wieder raus gelassen eh man nicht einen Mindestumsatz generiert hat. Am Ende waren wir dann froh, als wir wieder weg waren.


Angestellt und abgefahren:  Man hat vielleicht schon mal gehört, dass die Metro in Russland besonders tief liegt. Das hat zur Folge, dass man weit mit der Rolltreppe hinunter muss. Und tatsächlich haben die Moskauer das Rolltreppe-Fahren perfektioniert. Es können Menschenmassen unterwegs sein, aber an der Rolltreppe ordnen sich alle vorbildlich ein. Wo man in Berlin allenfalls ein genervtes „Rechts stehen, links gehen!“ entgegen geplärrt bekommt wissen hier schon alle vorher Bescheid. Und auch wenn es auf den ersten Blick länger dauern mag, bis alle richtig stehen, so ist es am Ende so, dass rechts alle stehen und links Platz zum vorbei sprinten ist. Schön, oder?

Subbotnik: Die ganze Stadt roch nach Lack und Farbe. Offensichtlich gab es einen Großeinsatz, um alle Mülleimer, Gullideckel und Zäune neu zu lackieren bevor der Frühling richtig durchstartet.

Der Biervorfall: Wir waren abends noch in unserem kleinen Rund-um-die-Uhr-Späti-Supermarkt einkaufen. Ich pack also mein Körbchen fein aus. Dann sagt der Verkäufer irgendwas. Ich:???. Er: passport! Ich:???. Er erklärt, dass ich für das Bier jetzt mal meine ID vorzeigen müsste. Bier ist ab 18. Hm.

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